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Reinigung kalkulieren: Leistungswerte in m² pro Stunde

Reinigungskraft mit Mopp im Eingang eines historischen Gebäudes mit verzierten Holztüren
Foto: Mehmet Turgut Kirkgoz auf Pexels
Kurz gesagt: Bei der Kalkulation zählt die Zeit, nicht die Fläche. Öffentlich einsehbar ist vor allem die Gießener Richtwerttabelle (Stand 04/2011, Eigenwerte der Universität): Büro 190 m² pro Stunde, Flure 280, Treppen 150, Sanitär 70. Das sind Richtwerte, keine Branchenstandards; eigene Messwerte aus Probereinigungen sind die bessere Grundlage.

Die wichtigste Frage bei jedem Angebot lautet nicht „Wie groß ist die Fläche?“, sondern „Wie lange brauche ich dafür?“. Die Antwort liefern Leistungswerte: Angaben darüber, wie viele Quadratmeter eine Reinigungskraft in einer Stunde schafft. Dieser Beitrag erklärt, welche Richtwerte öffentlich einsehbar sind, wie der Turnus die Stundenzahl verändert und warum Sie am Ende eigene Werte messen sollten. Stand: 4.11.2026.

Was ist ein Leistungswert, und warum zählt die Zeit statt der Fläche?

Ein Leistungswert gibt an, wie viele Quadratmeter in einer Arbeitsstunde gereinigt werden, getrennt nach Raumart und Reinigungsverfahren. Er rechnet eine Fläche in Zeit um, und Zeit ist die Größe, die Sie bezahlen: Der Preis ergibt sich aus Stundensatz mal Zeit, nicht aus der Fläche allein (sekundär belegt, siehe whk-controlling).

Eine pauschale Quadratmeterrechnung versagt deshalb schnell: 100 Quadratmeter Flur sind in kürzerer Zeit gereinigt als 100 Quadratmeter Sanitärfläche. Wie der Stundensatz selbst entsteht, erklärt der Beitrag Stundenverrechnungssatz berechnen.

Welche Richtwerte sind öffentlich belegt?

Öffentlich einsehbar ist vor allem eine Tabelle der Justus-Liebig-Universität Gießen mit Stand April 2011. Es handelt sich um Eigenwerte der Universität für die Eigenreinigung, die als Richtschnur dienen (JLU Gießen, Reinigungsrichtlinien). Sie sind kein Branchenstandard und rund 15 Jahre alt.

RaumartLeistungswert in m² pro Stunde
Büro- und Geschäftsräume (1x pro Woche)190
Flure280, mit Maschine 360
Eingangshallen280, mit Maschine 360
Treppen150
Teeküchen150
Aufzugskabinen200
Labore140
Sanitärräume70

Quelle: JLU Gießen, Stand 04/2011, Eigenwerte der Universität. Weitere Angaben aus anderen Quellen zeigen, wie weit die Werte streuen:

  • Für Sanitärräume schwanken die Angaben je nach Quelle in einem Korridor von etwa 35 bis 120 Quadratmetern pro Stunde. Gießen nennt 70, eine Bremer Angabe von 2011 75 (nur über eine Suchzusammenfassung bekannt), Ausschreibungs-Zitate nennen 60 bis 120.
  • Für Büroräume liegen Angaben je nach Quelle zwischen etwa 160 und 250. Die österreichische Norm ÖNORM D 2050 nennt laut einer Fallstudie der Wirtschaftskammer 250; sie gilt in Österreich und dient hier nur zum Vergleich.
  • Für Glas finden sich in Ausschreibungsunterlagen Zitate von 15 bis 35 Quadratmetern pro Stunde. Diese Werte sind unsicher belegt und hier nur als Größenordnung genannt.

Die offizielle RAL-/REFA-Tabelle, auf die Ausschreibungen verweisen, ist nicht öffentlich zugänglich und wird hier nicht zitiert. Andere Zahlenangaben aus schwachen Quellen werden bewusst nicht übernommen.

Wie wirkt der Turnus auf die Stundenzahl?

Häufiger gereinigt heißt nicht einfach proportional mehr Zeit, aber Sie müssen die tatsächliche Zahl der Reinigungsgänge im Monat kennen. Gießen erläutert in seiner Tabelle eine Intervallregel: „3x wöchentlich“ meint wechseltägig und im Durchschnitt 2,5 Reinigungen pro Woche, „2x wöchentlich“ im Durchschnitt 1,7.

Beispielrechnung mit angenommenen Werten. Ein Objekt hat 400 m² Büro, 120 m² Flur, 30 m² Sanitär und 15 m² Teeküche und wird dreimal pro Woche gereinigt. Die Leistungswerte stammen aus der Gießener Tabelle und gelten hier nur als Rechenbeispiel, nicht als Marktwert. Der Stundensatz von 29,86 Euro ist die Beispielannahme aus dem Beitrag zum Stundenverrechnungssatz.

  1. Zeit je Reinigungsgang: 400 ÷ 190 + 120 ÷ 280 + 30 ÷ 70 + 15 ÷ 150 = 2,11 + 0,43 + 0,43 + 0,10 = 3,06 Stunden.
  2. Reinigungen pro Woche: 2,5 (Intervallregel). Wochenzeit: 3,06 × 2,5 = 7,66 Stunden.
  3. Monatszeit: 7,66 × 52 ÷ 12 = 33,18 Stunden.
  4. Preis: 33,18 Stunden × 29,86 Euro = rund 991 Euro netto im Monat.

Die Rechnung ist bewusst einfach. Die Gießener Tabelle gibt für häufigere Reinigung keinen eigenen Faktor an; ob ein Büro bei dreimal wöchentlicher Reinigung dieselbe Zeit pro Gang braucht wie bei einmal wöchentlicher Reinigung, müssen Sie am Objekt prüfen.

Wie kommen Leistungswerte in Ausschreibungen vor?

Ausschreibungsunterlagen zitieren die Werte häufig „in Anlehnung“ an RAL-Gütegemeinschaft und REFA-Fachausschuss. Sie sind unverbindlich; Bieter dürfen abweichen, müssen das aber plausibel begründen oder durch eine Probereinigung belegen. Eine Ausschreibung nennt dazu eine Toleranz von plus/minus 20 Prozent (Beispielunterlagen auf evergabe.de, sekundär).

Das Oberlandesgericht Frankfurt stützte sich in einem Vergabeverfahren auf diese Richtwerte: Beschluss vom 7.4.2022 (Az. 11 Verg 1/22). Eine erhebliche Abweichung begründet danach berechtigte Zweifel an der Auskömmlichkeit des Angebots. Diese Aussage ist nur über eine Zusammenfassung belegt; der Beschluss liegt als PDF der Kanzlei Heuking vor, der Volltext wurde hier nicht geprüft.

Was die Toleranz von 20 Prozent im Beispiel bedeutet, zeigt die Tabelle (gleiche Annahmen wie oben, gerechnet mit dem Beispielstundensatz):

Annahme zum LeistungswertStunden pro MonatPreis netto (bei 29,86 Euro)
Richtwert wie in der Tabelle33,18rund 991 Euro
20 Prozent schneller (Faktor 1,2)27,65rund 826 Euro
20 Prozent langsamer (Faktor 0,8)41,47rund 1.238 Euro

Der Unterschied von rund 410 Euro im Monat zeigt, warum Richtwerte nicht reichen. Mehr zum Ausschreibungsverfahren steht im Beitrag Ausschreibung Gebäudereinigung: Teilnahme für Kleinbetriebe.

Wie ermittle ich eigene Werte?

Durch Probereinigung und Zeitmessung am Objekt. Das ist auch der Weg, den Ausschreibungen als Begründung für Abweichungen nennen. Das folgende Vorgehen ist eine Praxisempfehlung der Redaktion:

  1. Reinigen Sie einen typischen Raum mit dem geplanten Verfahren und dem Personal, das später dort arbeitet.
  2. Stoppen Sie die reine Reinigungszeit und trennen Sie Rüstzeit, Wegezeit und Entsorgung davon.
  3. Dividieren Sie die gereinigte Fläche durch die Zeit; das ist Ihr Leistungswert für diese Raumart.
  4. Wiederholen Sie die Messung an einem zweiten Tag, damit Ausreißer auffallen.
  5. Halten Sie Möblierung, Verschmutzungsgrad und Maschineneinsatz fest, denn sie erklären die Abweichung vom Richtwert.
  6. Vergleichen Sie nach dem Start die geplanten Stunden mit den gebuchten (Soll-Ist) und passen Sie den Wert an.

Die gemessenen Werte bilden außerdem die Grundlage für ein sauberes Leistungsverzeichnis, in dem Flächen, Intervalle und Leistungen festgelegt sind.

Wo enden Richtwerte?

Dort, wo Ihr Objekt vom Durchschnitt abweicht. Die Gießener Werte beschreiben Universitätsräume im Jahr 2011; sie sagen nichts über Ihre Böden, Ihre Maschinen, Ihre Einarbeitung oder den Zustand des Objekts. Einzelne Werte, etwa für Glas, sind nur aus Zitaten bekannt. Behandeln Sie Tabellenwerte daher als Plausibilitätsprüfung und nicht als Kalkulationsgrundlage.

Rechnen Sie jedes Angebot mit Ihren eigenen Messwerten, prüfen Sie es gegen den Richtwert und dokumentieren Sie Abweichungen. Wie Sie später erkennen, ob ein Objekt trägt, beschreibt der Beitrag Mindestpreis im Reinigungsangebot.

Was Sie jetzt prüfen sollten

  • Listen Sie für jedes Objekt die Raumarten, Flächen und Intervalle auf, bevor Sie rechnen.
  • Rechnen Sie Zeit, nicht Fläche: Fläche geteilt durch Leistungswert ergibt Stunden je Reinigungsgang.
  • Rechnen Sie den Turnus korrekt auf Monatsstunden um (zum Beispiel 3x wöchentlich als Durchschnitt 2,5 Reinigungen je Woche, wie in der Gießener Intervallregel).
  • Messen Sie bei Neuobjekten einen Probedurchgang und halten Sie die Bedingungen fest.
  • Zitieren Sie Tabellenwerte nur mit Quelle, Jahr und Hinweis, dass sie Richtwerte sind.
  • Vergleichen Sie nach dem Start Soll- und Ist-Stunden je Objekt und passen Sie Ihre Werte an.

Häufige Fragen

Wie viele m² reinigt man pro Stunde?

Das hängt von der Raumart ab. Die Gießener Tabelle (04/2011) nennt für Büros 190, Flure 280, Treppen 150 und Sanitärräume 70 Quadratmeter pro Stunde. Es sind Eigenwerte einer Universität, kein Branchenstandard.

Warum nicht pauschal nach m² kalkulieren?

Weil der Zeitbedarf je Raumart stark schwankt. Der Preis ergibt sich aus Stundensatz mal Zeit; ein pauschaler Quadratmeterpreis blendet Raumart, Turnus und Verfahren aus.

Wie wirkt sich der Turnus auf die Stunden aus?

Gießen rechnet „3x wöchentlich“ als durchschnittlich 2,5 und „2x wöchentlich“ als 1,7 Reinigungen pro Woche. Mit dieser Regel rechnen Sie die Monatsstunden.

Wie ermittle ich eigene Leistungswerte?

Durch Probereinigung und Zeitmessung am Objekt: Fläche durch gemessene Reinigungszeit. Halten Sie Bedingungen wie Möblierung, Verschmutzung und Maschineneinsatz fest.

Sind RAL- und REFA-Richtwerte verbindlich?

Nein. Ausschreibungen zitieren sie als unverbindliche Orientierung, eine nannte eine Toleranz von plus/minus 20 Prozent. Abweichungen müssen Sie plausibel begründen.

Quellen und Stand

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Stand der Angaben: 04.11.2026. Prüfen Sie zeitkritische Zahlen vor der Anwendung.

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